Der Ausgangspunkt für die Initiative zur Errichtung des Kinder- und Jugendhauses Liefering war, die Kinder und Jugendlichen von der Straße wegzubringen und ihnen einen (kreativen) Raum als Treffpunkt anzubieten, eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu ermöglichen und mit sozialpädagogischer Betreuung behutsam die Entwicklung der Angesprochenen positiv zu beeinflussen … Die allgemeine Erfahrung zeigt, dass sozialen Fehlentwicklungen (Jugendkriminalität, fehlende Ausbildung, Orientierungslosigkeit) immer noch am besten mit der Verbesserung des Eigenpotentials der Betroffenen (Erkenntnis und Einsicht als Motivation und Bedürfnis zur Veränderung) zu begegnen ist. Das Ziel ist demnach eine wirksame Einbindung in ein besseres soziales Gefüge in Zusammenhang mit einer fortgesetzten Schul- und/oder Berufsausbildung.
Ein Drittel der Bevölkerung des Stadtteils ist jünger als 19 Jahre. Dennoch beschränkte sich das Freizeitangebot für die Jugendlichen auf Aktivitäten der Sportvereine, die jedoch eine Mitgliedschaft voraussetzen und meist parteipolitisch orientiert sind. Schulische Angebote werden naturgemäß eher gemieden, religiös orientierte Aktivitäten mangels gewachsener Strukturen kaum oder gar nicht vorhanden. Die zu kleinen Wohnungen drängten die Jugendlichen auf die Straße, die sich als sozialer Treffpunkt entwickelte, jedoch für die allgemeine Sozialisierung extrem ungünstige Voraussetzungen schuf.

Der Stadtteil Liefering-Süd in Salzburg diente seit den 30er Jahren der Stadtpolitik als „Entsorgungsstätte“ für ihre urbanen Probleme. Er war Auffangbecken für all jene sozialen Schichten, die man im bürgerlichen Salzburg weder integrieren konnte oder wollte (während des Nationalsozialismus nach Österreich deportierte Südtiroler, Immigranten, Flüchtlinge, soziale Randgruppen, Arbeitslose, kinderreiche Familien, etc.). Während die Stadt Salzburg durchschnittlich 4,4% an Sozialhilfeempfängern aufweist, liegt deren Anteil in Liefering Süd bei 13,7%. Die politisch Verantwortlichen der Stadt Salzburg und die mit ihnen kooperierenden Wohnbaugenossenschaften haben so bewusst eine unbeliebte und unerwünschte Bevölkerungsschicht in Mietwohnungs-Monostrukturen gepresst und so vom Rest der Stadt isoliert. Öffentlich wurden diese Maßnahmen als soziale Großtaten zur Beseitigung der Wohnungsnot medial gefeiert.

Um Impulse zur Verbesserung des Stadtteillebens zu geben, wurde eine private Initiative von sozial engagierten Persönlichkeiten ins Leben gerufen. Diese übernahmen eigenverantwortlich die Projektträgerschaft, organisierten die Finanzierung durch öffentliche und private Mittel (zahlreiche Fundraising-Veranstaltungen im kulturellen, sportlichen und politischen Bereich der Stadt Salzburg) und gründeten den Verein des Kinder- und Jugendhauses.
Kinderhaus